JTL-Wawi-Belege individualisieren: der komplette Schritt-für-Schritt-Guide
Du willst deine Geschäftsdokumente in JTL-Wawi an dein Corporate Design anpassen, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Dieser Guide führt dich strukturiert durch den gesamten Prozess — von der Vorbereitung bis zum sicheren Ausrollen. Er richtet sich an Anwender, die selbst Hand anlegen wollen, und macht zugleich transparent, an welchen Stellen eine fertige Vorlage Stunden spart.
Vorbereitung: Diese vier Dinge solltest du vorher klären
Bevor du den Designer überhaupt öffnest, lohnt sich ein kurzer Check:
- Welche Belegarten? Rechnung, Auftragsbestätigung und Lieferschein sind drei getrennte Vorlagen. Plane, ob du alle drei einheitlich gestalten willst (empfohlen) oder nur eine.
- Welcher Mandant? Jede Vorlage gehört zu einem Mandanten. Arbeite niemals versehentlich im falschen oder im Produktiv-Mandanten ohne Backup.
- Welche Pflichtangaben? Halte Steuernummer/USt-IdNr., vollständige Firmenanschrift, Bankverbindung und Rechnungsnummern-Logik bereit. Details dazu im Ratgeber Pflichtangaben und Design.
- Welche Assets? Logo in hoher Auflösung (am besten als PNG mit Transparenz oder Vektor), deine Markenfarben als HEX-Werte, ggf. eine Unterschrift.
Schritt 1: Immer zuerst eine Kopie anlegen
Das ist die wichtigste Regel überhaupt. Bearbeite niemals die Standardvorlage direkt. Lege in JTL-Wawi über die Druckvorlagen-Verwaltung eine Kopie der gewünschten Vorlage an und gib ihr einen sprechenden Namen (z. B. „Rechnung_Marke_2026"). Nur so überlebt deine Arbeit das nächste Wawi-Update — Standardvorlagen können bei Updates überschrieben werden.
Schritt 2: Den List-&-Label-Designer öffnen und verstehen
Belege werden über die Reporting-Engine List & Label gestaltet. Öffnest du die kopierte Vorlage, landest du im L&L-Designer. Mach dich zuerst mit drei Bereichen vertraut:
- Objektliste: alle Elemente des Belegs (Textfelder, Tabellen, Bilder, Linien).
- Eigenschaften: die Detail-Einstellungen des markierten Objekts.
- Ebenen (Layer): mindestens „Briefkopf" und „Inhalt" — entscheidend für den nächsten Schritt.
Tipp: Stelle die Vorschau auf einen realistischen Datensatz mit vielen Positionen um. Nur so siehst du, ob die Positionstabelle sauber umbricht.
Schritt 3: Logo und Briefkopf-Ebene gestalten
Logo, Adressband und Fußzeile gehören auf die Briefkopf-Ebene, nicht in den Inhaltsbereich. So bleiben sie über alle Seiten konsistent und lassen sich für vorbedrucktes Papier bei Bedarf ausblenden.
- Platziere das Logo in einem Bildobjekt auf der Briefkopf-Ebene und achte auf die Auflösung (mindestens 300 dpi für den Druck).
- Lege das Absenderzeilchen über dem Empfängerfenster an (kleine Zeile mit deiner Firmenanschrift — wichtig für Fensterumschläge).
- Baue die Fußzeile mit Bankverbindung, Geschäftsführung, Registergericht und USt-IdNr. — diese Pflicht- und Pseudo-Pflichtangaben gehören sauber gesetzt.
Vollflächige farbige Rand- oder Kopfleisten setzt du ebenfalls hier — das ist der häufigste Grund, warum selbstgebaute Belege „nur auf Seite 1" farbig sind.
Schritt 4: Positionstabelle und Tabellenfarben
Jetzt der heikelste Teil. Die Positionstabelle (Artikelzeilen) ist das Herzstück und zugleich die größte Fehlerquelle. Achte auf:
- Kopfzeile farblich an die Marke anpassen — konsistent zur Briefkopf-Ebene.
- Zebra-Streifen (abwechselnde Zeilenfarbe) optional, aber dezent halten — sonst wirkt der Beleg unruhig.
- Spaltenbreiten so wählen, dass lange Artikelbezeichnungen sauber umbrechen.
- Summenblock (Netto, USt, Brutto) optisch klar abgesetzt und korrekt gerundet.
Wichtig: Farbwerte in L&L sind teils an Bedingungsausdrücke gekoppelt. Ein einfacher Farbklick reicht oft nicht — du musst die Farbe an Kopf, Zeilen, Rahmen und Summenblock konsistent setzen, sonst sieht der Beleg fleckig aus.
Schritt 5: Bedingungen, Sprachen und Varianten
Gute Belege reagieren auf Daten. Über Darstellungsbedingungen blendest du Felder situativ ein oder aus — etwa einen Hinweis auf Differenzbesteuerung nur, wenn relevant. Wenn du international verkaufst, brauchst du zusätzlich eine englische Variante der Vorlage. Und B2B-Belege (mit USt-IdNr. des Kunden, Reverse-Charge-Hinweis) unterscheiden sich von B2C-Belegen. Plane diese Varianten bewusst — jede ist eine eigene Vorlage, die du pflegen musst.
Schritt 6: Testdruck mit echten Szenarien
Bevor die Vorlage produktiv geht, drucke (oder erzeuge als PDF) mindestens:
- eine Rechnung mit einer Position,
- eine mit vielen Positionen (mehrseitig),
- eine mit langen Artikelnamen und Rabatten,
- den B2B- und den B2C-Fall.
Prüfe Seitenumbrüche, ob die Fußzeile auf jeder Seite korrekt erscheint und ob die Summen stimmen. Genau hier zeigt sich, ob die Briefkopf-Ebene sauber gebaut ist.
Schritt 7: Sicher ausrollen und sichern
Ist die Vorlage fertig, weise sie der richtigen Belegart im richtigen Mandanten zu. Exportiere bzw. sichere die .lst-Dateien an einem sicheren Ort und dokumentiere die Version. So kannst du nach einem Update jederzeit wiederherstellen und hast einen klaren Stand.
Der Abkürzungsweg: fertige Branchenvorlage importieren
Die ehrliche Einordnung: Die Schritte 2 bis 5 sind genau die, die erfahrungsgemäß Tage kosten, wenn man sie zum ersten Mal macht. Wenn dein Ziel „professioneller, markengerechter Beleg" lautet — und nicht „L&L-Experte werden" —, ist der schnellere Weg, eine fertige Vorlage zu nutzen:
- In der Belegvorlagen-Übersicht findest du 100 Designs für 20 Branchen, jeweils für Rechnung, Auftrag und Lieferschein.
- Branchengerechte Beispiele: Belege für die Cannabis-Branche oder für Coffee- und Genussshops.
- Briefkopf-Ebene, Tabellenfarben und Pflichtangaben sind bereits sauber aufgebaut — du importierst, wählst Farbe und Mandant, fertig.
Fehlt dir noch die Shop-Anbindung? Die JTL-Connector-Einrichtung bringt deine Wawi und deinen Shop sauber zusammen.
Fazit
JTL-Belege selbst zu individualisieren ist machbar — mit Plan, Geduld und der eisernen Regel „immer mit Kopie arbeiten". Wer den Designer beherrschen will, sollte die Schritte 1 bis 7 sauber durchziehen. Wer schnell ein professionelles Ergebnis braucht, importiert eine fertige Vorlage und überspringt die Lernkurve. Warum diese Lernkurve überhaupt existiert, erklärt der Ratgeber Warum das Anpassen so schwierig ist.
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